Die CDU-Fraktion im Gemeinderat Hilgert hat im Oktober 2020 eine schriftliche Anfrage (siehe hier) an Ortsbürgermeister Schmidt gestellt, um Aufschluss über den gegenwärtigen Zustand und die zukünftige Entwicklung unseres Gemeindewaldes zu erhalten.
Beantwortet wurde die Anfrage von dem Leiter des Forstamtes Neuhäusel Friedbert Ritter, dem der außerordentliche Dank der Fraktion gilt. Denn Herr Ritter hat mit viel Liebe zum Detail eine 47 Seiten umfassende und sehr aufschlussreiche, mit Karten, Grafiken und Fotos versehene Ausarbeitung (siehe hier) verfasst, die sogar Grundlage für die Neuordnung der Forstreviere im Kannenbäckerland sein soll. Hier einige Informationen:
Zum Stichtag 01.01.2020 umfasste der Hilgerter Gemeindewald insgesamt 96,6 ha, wovon 52% Nadel- und 48% Laubholz waren.
Prägende Baumarten waren bisher Fichte (42%), Buche (25%) sowie Kiefer (10%). Die starke Trockenheit der vergangenen Jahre sowie der damit in Zusammenhang stehende Borkenkäferbefall haben dafür gesorgt, dass zum Zeitpunkt der Anfrage über 10 ha Fichtenbestand bereits gerodet waren und weitere 10 ha noch gerodet werden müssen. Dies bedeutet, dass mehr als ein Fünftel des gesamten Waldbestandes von den Schäden direkt betroffen ist. Hierbei entstanden außerplanmäßige Kosten in den Jahren 2018 bis zum Zeitpunkt der Anfrage von nahezu 185.000 Euro. Demgegenüber standen Einnahmen von über 190.000 Euro. Somit ergibt sich zwar über die genannten Jahre ein Überschuss von ca. 5000 Euro, aber aufgrund der gesunkenen Holzpreise sowie der absehbar ab 2021 niedrigeren Holzernte rechnet das Forstamt in den kommenden Jahren mit geringeren Einnahmen aus der Waldbewirtschaftung. Unter der Annahme, dass die Wiederbewaldung 2022 abgeschlossen sein wird und die wetterbedingten Schäden nicht weiter steigen, ist in den Folgejahren 2021-2023 jeweils mit einem vierstelligen Defizit zu rechnen. Erst ab 2024 erwartet das Forstamt unter vorsichtig optimistischen Annahmen eine „rote“ Null.
Die Wiederaufforstung erfolgt in mehreren Teilabschnitten. Hierbei orientiert sich die Forstverwaltung an den aktuellen Fördergrundsätzen, wonach mindestens 30% Laubholz gepflanzt werden soll. Ziel ist, dass der Waldbestand als Ganzes widerstands- und anpassungsfähiger gegenüber den Klimaveränderungen wird.
Daher werden grundsätzlich heimische Baumarten (u.a. Buche, Eiche, Kiefern und Lärchen) mit einem Anteil von mindestens 25% gepflanzt und durch „alteingeführte“ Baumarten, wie z.B. Esskastanie, ergänzt. Darüber hinaus sollen bewährte „eingeführte“ Baumarten, wie z.B. Douglasie und Abies Grandies (Küstentanne) mit maximal 20% Anteil sowie weitere „ergänzende“ Baumarten wie Baumhasel den Wald begrünen. Über die natürlichen Sukzessionsabläufe wird eine weitere Besiedelung mit Fichten, Birken, Ebereschen sowie Lärchen erwartet. Die seit Jahrzehnten bekannten Fichtenmonokulturen gehören damit der Vergangenheit an. Wiederaufforstung ist ein Generationenprojekt, welches durch eine Vielzahl an Faktoren beeinflusst wird.
Die CDU-Fraktion wird diese Thematik intensiv begleiten und sich dafür einsetzen, dass unser Wald auch den zukünftigen Generationen sowohl Erholung als auch Einnahmen zur anteiligen Bewältigung der Gemeindeaufgaben bietet. 

20201229 Waldbegang Moskopp2

Björn Hümmerich erläutert anhand eines Kartenausschnitts die gerodeten Flächen in der Gemarkung Hilgert